Jazz Goes Baroque
Wilde Lust, ungebremste Tollheit, maßloser Lebensdurst und trunkene Sinnlichkeit: Darum geht es, wenn Bernd Lhotzky – diesmal am Cembalo – zusammen mit Émile Parisien, Frédéric Couderc, Henning Sieverts und Eric Schaefer den Barock, der in uns allen steckt, im Jetzt freilegt und aus dem Überkommenen neue, knallende Funken schlägt.

Die Uraufführung fand am 25. September 2025 in der Konzertreihe „Jazz At The Berlin Philharmonic“ statt.
UK Jazz News review by Sebastian Scotney
Frédéric Couderc & Bernd Lhotzky
A Trip To Hoboken
haydn light
Warum ausgerechnet Haydn? Diese Frage kam gar nicht erst auf. Die Suite war ein Auftrag des Haydn Festivals Brühl. So stand Haydn unvermutet vor meiner Tür, und ich nahm ihn gerne bei mir auf.

Sein Werk breitet sich auf meinem Tisch aus: mehr als hundert Symphonien, Dutzende Streichquartette, hundertsechsundzwanzig Barytontrios, Klaviertrios, Opern, etliche Konzerte; all das auf Tonträgern und in Noten.
Nach und nach entsteht eine Klangbiographie, die Haydns Lebensweg mit leichtem Strich nachzeichnet: von seinen Jahren im Dienste der Fürsten Esterházy bis zu den späten Triumphen in London. Und mit Haydn zieht eine ganze Gesellschaft durch meine Werkstatt: Luigia und Rebecca, Napoleon Bonaparte, der Banause Anton, Wolfgang Amadeus Mozart und der störrische Schüler Beethoven.
Er bringt mich zum Lachen. Da ist Freundlichkeit und Wärme, wie Sonnenlicht, das durch junges Grün schimmert. So jemandem sind wir gerne nahe.
Europa ist in Bewegung. Die Kessel stehen unter Druck. Während in England die Dampfmaschine auf dem Vormarsch ist, sind es in Österreich Napoleons Truppen. Noch zu Haydns Lebzeiten fährt die erste Dampflokomotive. Wien wird von den Franzosen beschossen. Vor Haydns Haus soll Napoleon Wachen aufgestellt haben. „Kinder, fürchtet euch nicht.“
A Trip To Hoboken
eine Jazz-Suite von Bernd Lhotzky
Frédéric Couderc (Flöten) & Bernd Lhotzky (Klavier)
I. Ernte und Saat
Haymarket Triumph / A Trip To Hoboken / With Love And Admiration
II. Asche ohne Ende
Der Prachtliebende / Abgesondert von der Welt
III. Begegnungen
Der Banause Anton / Five4Elise / Luigia
IV. Lullaby
Fürchtet euch nicht / Rebecca
„Meisterleistung … von beeindruckender Leichtigkeit.“
Thomas Kölsch, Konzertkritik zur Uraufführung im Rahmen des Haydn-Festivals Brühl am 24. Juli 2026
Vollständige Rezension von Thomas Kölsch auf kultur-kritik.net
Rag Bag
Rag Bag ist eine Scherenarbeit, eine Montage, unausgegoren und asymmetrisch. Der Ragtime war mein Einstieg in den Jazz. Mich begeistert an dieser Musik bis heute, dass sie so warm, lebensbejahend und unverstellt ist. Ich liebe den Jazz der Frühzeit, weil er nur so strotzt vor Vitalität und ehrlicher Freude. Diese Emotionalität kann keine Klavierwalze wiedergeben.
Es geht in meinen Improvisationen aber auch um Widersprüche, um Risse in der Zeit, Synkopen im Leben. Ein Flickenteppich aus verschiedenen Motiven und Stilen, aus losen Gedanken rund um den Ragtime, um die Farben und Düfte des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Ein wiederkehrendes Grundmotiv bilden Anklänge an Scott Joplin, dessen hübsche, wohl geordnete Kompositionen wenig von seinem tragischen Leben verraten.
Sinn für Unsinn
Ein lustvolles Spiel mit dem Sprung, dem Knick in der Schüssel. Natürliche Verrücktheit als Gegenentwurf zur künstlichen Intelligenz. Stefan Hunstein liest Texte von Paul Maar, Wilhelm Killmayer, Paul Watzlawick, Mark Twain, Ernst Jandl und einigen anderen Meistern des subtilen Humors. Dazu viel Jazz und echte Improvisation.
The Pearls
Oben in luftigen Höhen das Wildwasser, das um hochaufragende Felsblöcke schiesst, unten im Tal der breite, ruhige Fluss, bequem gebettet auf rundgeschliffenem Kies.
Der Jazz der Pioniere entfaltet seine Leuchtkraft, wenn er nicht museal rekonstruiert, sondern mit lebendiger Improvisation befeuert wird.

Matthias Seuffert (Klarinetten und Saxophone), Bernd Lhotzky (Klavier),
Oliver Mewes (Schlagzeug)
Krabat
Das Ächzen des Mühlrads, das Mahlen der Mühlsteine, der Flügelschlag der in Raben verzauberten Mühlknappen, das Schnauben der schwarzen Rösser! Aller Spuk und Zauber findet in einer Klangmühle statt. Musik wohin man schaut!
Eine akustische Illustration, die den gesamten Roman ausleuchtet, von den schaurigen Tiefen des Mühlweihers bis zur hellen Stimme der Kantorka und den Glocken von Schwarzkollm.
Stefan Hunstein: Lesung
Mulo Francel: Klarinetten & Saxophone
Bernd Lhotzky: Klavier & Komposition
Thomas Stabenow: Kontrabass
Oliver Mewes: Perkussion
Text nach Otfried Preußlers »Krabat« eingerichtet von Matthias Meitzel
Der Paffende Löwe
Sie werden erfahren, wie er während des Ersten Weltkriegs an der Westfront seinen Spitznamen erwarb, warum er sich vor seinen Auftritten regelmäßig zwei Büchsen Ölsardinen einverleibte, was es mit seinem Pelzmantel auf sich hatte, der so schwer und solide war, dass der Löwe ihn neben das Klavier stellen konnte. Sie werden erfahren, weshalb er seinen Hut niemals absetzte, warum am 11. Januar 1950 der Nachtzug aus Limoges mit erheblicher Verspätung in Paris eintraf und warum Willie „The Lion“ Smith niemals für seine Taxifahrten bezahlte.
